Lesung: "Die Weiße Pagode" von Cheng, Wei
"Die weiße Pagode" ist eine Sammlung von Erzählungen der vor allem in China bekannten chinesischen Jugendbuch-Autorin Cheng Wei, die mittlerweile in Hamburg wohnt. Es ist das erste Buch der Autorin, das ins deutsche Übersetzt wurde.
Heute fand im chinesischen Kulturzentrum Berlin eine Lesung der Autorin statt. Dabei wurden von der Autorin selbst kürzere Abschnitte von 3 Erzählungen in chinesischer Sprache vorgelesen. Dazwischen wurde der gesamte Text dieser drei Erzählungen von der deutschen Schauspielerin Patricia Schäfer gelesen, während der Klangkünstler Bernd Liebner die Situation lautmalerisch auf verschiedenen Instrumenten und Uninstrumenten begleitete.
Gelesen wurden "In diesem Jahr ist Gelb in Mode", "Die weiße Pagode" und "Das ewige Geheimnis".
Im Anschluss beantwortete die Autorin noch Fragen. Die Autorin sagte, sie schriebe vor allem für sich selbst. Als ein Kind, das genau zur Zeit der Kulturrevolution begann ein Interesse für Bücher zu entwickeln. Als Mädchen und junge Frau in einer Zeit als Schönheit verpönt war und Liebe nicht gezeigt werden durfte, machte sie viele Erfahrungen, die sie auch in Ihren Erzählungen verarbeitet.
In "In diesem Jahr ist Gelb in Mode", entstanden in den achtziger Jahren handelt von einem jungen Mädchen, das beginnt sich für Schönheit und Mode zu interessieren. Bei den Eltern stößt sie dabei jedoch auf Unverstand.
"Die weiße Pagode" räumt mit dem Bild des kommunistischen, uneingeschränkten Helden der Arbeitseinheit der damaligen chinesischen Literatur gründlich auf, in dem sie ausgerechnet einen mürrischen und nicht grade kinderlieben Lastwagenfahrer zu einem Helden macht. Dies war der erste Schritt zu einer relativeren Darstellung von Menschen in der modernen Literatur Chinas.
"Das ewige Geheimnis" handelt von einem kleinen Mädchen zur Zeit der Kulturrevolution. Die Geschichte mutet geradezu autobiographisch an, da das kleine Mädchen genau wie die Autorin zur Zeit der Kulturrevolution zuletzt in die zweite Klasse ging und das Kind im Buch genau wie die Autorin zu jener Zeit ein Interesse für (damals verbotene) Bücher entwickelte. Inwieweit die Erzählung autobiographisch ist wurde leider nicht erläutert, jedoch wurde generell gesagt, dass die Autorin viele Anregungen aus Ihrem eigenen Leben übernommen hätte.
In der Fragestunde fand ich besonders auch die Klage der Autorin, dass chinesische Autoren, die in China nicht verboten sind es in Deutschland schwer hätten interessant. Unpolitische Literatur aus China würde noch immer wenig gelesen.
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